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Mit Engeln unterwegs zum Leben

Mit Engeln unterwegs zum Leben ~ Ilona Gruner

 

Ein kleiner Augenblick, wie er ungefähr 50.000-mal jedes Jahr in Deutschland geschieht. Nur ein Moment und doch so entscheidend, November 2000. Eigentlich ein recht sonniger Tag als dieser freundliche Arzt mit sicherer Stimme verkündete: „Sie haben Brustkrebs.“

Das kann nicht sein. Wollte ich doch nur einen vergrößerten Lymphknoten abklären  lassen. Gerade jetzt wo ich einen beruflichen Neustart wagen möchte. Weshalb jetzt? Weshalb ich?

„Sie brauchen die Bewerbung jetzt nicht mehr“ höre ich eine weit entfernte Stimme, da meine Gedanken sich nicht mehr in diesem Raum befanden. Mein Vater starb mit 38 Jahren an Krebs. Ich war 13 Jahre, sehe ihn, fühle ihn wie ein Film, alles wieder so klar und präsent.

Ich sah mich als Mädchen, welches verzweifelt immer und immer wieder vor dem Krankenzimmer wartete. Es fühlte, er wird niemals wieder nach Hause kommen. Die Mutter täglich unendlich traurig zwischen Krankenhaus und Wohnung pendelnd, verzweifelt, wie sie nun mit 7 Kindern das Leben meistern solle.

Bis zu jenen 7.Oktober, als das Unausweichliche Wirklichkeit wurde. Jetzt auch ich? Was wird aus meinen Kindern?  Ich bin gerade erst 40 Jahre, nein das geht doch nicht. Ich saß wie erstarrt und konnte keinen klaren Gedanken fassen.

Drei Tage später die erste Operation und ein niederschmetternder Befund. Nachfolgend eine weitere Operation und die Optionen von Chemotherapie und Strahlenbehandlung. Der niedergelassene Onkologe erklärte mir die notwendige Therapiefolge und seine Worte hörten sich recht zuversichtlich an. Und doch hatte ich ein merkwürdiges Bauchgefühl. War es, weil die Aussagen sich von denen der Ärzte im Krankhaus unterschieden? War es, weil ich, wie schon so oft, intuitiv die Wahrheit spürte? Ein paar Tage vor Silvester die erste Chemotherapie. Noch nie bin ich gern Achterbahn gefahren, doch nun das Gefühl, sie für vier Tage nicht mehr verlassen zu dürfen. Und es sollte sich aller 3 Wochen in 3 Zyklen wiederholen.

Den histologischen Befund ließ ich mir von verschiedenen Ärzten näher erklären und er verstärkte den bis dahin nicht endenden Zweifel in Bezug auf die Ehrlichkeit des Onkologen.

So entschloss ich mich eine Zweitmeinung einzuholen, deren Ergebnis meine Befürchtungen weit übertrafen.

Obwohl ich das Schlimmste vermutete, verlor ich jegliche Bodenhaftung und fühlte eine tonlose Leere. Die Prognose lag unter einem Jahr Überlebenszeit. ?Die vorgesehene Therapiefolge wird nicht zum Erfolg führen? hörte ich den Arzt aus Freiburg in seiner Stimme nachhallen. Warum hat mir mein Onkologe vor Ort nicht die Wahrheit gesagt und was soll dann diese, als nächstes geplante Chemotherapie?

Ich weiß nicht, wie lange ich mit diesem „NICHTS“ im Keller saß.

Doch als wäre ich in Begleitung einer Energie, die eine Chance in der Hand hielt, entwickelte ich ungeahnte Kräfte.

Nun durchsuchte ich das Internet auf entsprechende Statistiken und Studien, welche diese Aussage letztendlich auch wieder stützten.

Als Kind klagte meine Mutter recht oft über meinen „sturen“ Kopf. Sollte dieser mein Leben in andere Bahnen lenken?

Mein Mann begleitete mich zu einem Gesprächstermin bei meinem behandelnden Onkologen und wir konfrontierten ihn mit diesen neuen Erkenntnissen. Seine Freundlichkeit wich aus seinem Gesicht und er schlug verbal um sich. Oft vernahm ich das Wort „Vertrauen“, doch dieses schwand von Minute zu Minute. Wir einigten uns auf die Herausgabe meiner Befunde und sahen uns bei diesem Lokaltermin das letzte Mal.

Ich suchte die Nadel im Heuhaufen und wollte sie auch finden. Was umgab mich, dass aus Angst unbändiges Interesse und aus Leid bedingungsloses Vertrauen wurde?

Heute bin ich mir sicher. Wenn es Engel und ihre Energien gibt, dann waren sie mit mir unterwegs. Ich wurde getragen, dass ich konnte, was ich nie ahnte.

Die begonnene erste Therapie setzte ich vorerst in einer 100 km entfernten Klinik fort und lehnte die zweite Therapiesäule ab. Mein Interesse galt einem neuen Medikament, welches ein Aufhalten des Wachstums versprach, jedoch für mein Stadium der Erkrankung nicht vorgesehen war. So fuhr ich nach Berlin und  konsultierte einen Professor, welcher an entsprechenden Studien arbeitete. In diese Studie konnte ich nicht aufgenommen werden, da ich bereits eine Chemotherapie erhalten hatte. Das wichtigste an dieser Begegnung war, dass er die Meinung aus Freiburg noch einmal deutlich bestätigte. Er bestärkte mich in meiner Meinung zum genannten Medikament, es sei meine Chance. Es würde mich nicht heilen, doch Zeit verschaffen, in der die Forschung sich weiterentwickelt.

 

Es bestand nur die Möglichkeit, über einen eigens formulierten Antrag die Kostenübernahme der Krankenkasse zu erreichen. Dieser Antrag und ein persönliches Gespräch verhalfen mir letztendlich zur Therapiezusage, sodass ich das Medikament von nun an 1x wöchentlich erhielt. Auch diesen Umstand, dass ich diesen Therapieerfolg verzeichnen konnte, erscheint mir heute noch als Wunder und wie mit Engelschutz getragen.

 

Diese Zeit nutzte ich und las alles, was mir über Brustkrebs unter die Augen kam. Ich stellte  meine Ernährung von einem Tag auf den anderen völlig um, was sich am Anfang nicht ganz unproblematisch gestaltete.  Alternative Angebote fand ich nur langsam. Doch mein Lebenswille blieb so stark, dass nichts unmöglich schien. Mein nächster Schritt war eine Ausbildung zur ärztlich geprüften Ernährungsberaterin und vereinzelte Seminare der Naturheilkunde.

Meine gesamte Lebensphilosophie stellte ich in Frage und in mir wuchs der unbändige Wille auf Veränderung.

Gestaltete sich mein Leben bis zur Erkrankung eher  karriere- und erfolgsorientiert, stellte dieser eine Augenblick alles in Frage. In einer Rückschau erkannte ich, wie unachtsam ich mit mir selbst, meinem Körper und der Seele umging. Bei auftretenden Symptomen bezwang ich sie mit Medikamenten. Dachte ich doch, dass ich funktionieren müsste. Wichtig waren die Finanzierung des Hauses und die Möglichkeiten der Familie. Nie hatte ich über das Ende oder gar den Sinn meines Lebens wirklich nachgedacht. Dafür nahm ich mir keine Zeit, setzte die Prioritäten anders.

Während meiner Ausbildung, die ich neben der 16 monatigen 1x wöchentlich stattfindenden Antikörpertherapie absolvierte, las ich folgenden Satz:

„Gehe du voran“ sagte die Seele zum Körper  „auf mich hört er nicht“. „Ich werde krank werden“ sagte der Körper „dann wird er Zeit haben, auf dich zu hören“.

 

An dieser Gabelung meines Lebens bekam ich den Input, mich nun für einen bisher unbekannten und nicht geahnten, teilweise steinigen Abschnitt zu entscheiden.

Der bisherige ging zu Ende und das Gelingen des Neuen war unbestimmt. Von nun an war nichts mehr vorhersehbar. In entscheidenden Momenten fühlte ich mich innerlich oft hin und her gerissen. Doch die vorangegangene Erfahrung dieses einen, tief greifenden Momentes und der schützenden und tragenden Hand des Wunders oder der Engelsenergien trage ich immer in mir.

 

Gerne berichte ich weiter über den Weg.

Ilona Gruner ~ http://www.ilona-gruner.de/

{ 1 comment… add one }
  • Evi 14. Mai 2012, 10:25

    Danke. Dieser Beitrag kam, wie immer zufällig, zur richtigen Zeit.
    Ich werde Deinen Weg weiter verfolgen und mich nun um meinen kümmern.
    Grüßle, Evi

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